Außerdem ist heute die Konstruktion von Krankheitsbildern
aus unmittelbar ökonomischem Grund nicht mehr
zu übersehen. Als sich abzeichnete, dass mit dem Phospodiesterase-
Hemmer Sildenafil (Viagra) bei der Behandlung
von Erektionsstörungen des Mannes jedes jahr ein Milliardengeschäft
zu machen ist. entdeckte die Pharmaindustrie
und auf ihrer Leimrute eine Legion angesehener Forscherinnen
und Forscher die weibliche Sexualität. Seither wird
versucht. eine "Female Sexual Dysfunction" viagra(günstig, preis, sparen)
herauszustanzen die unter design- und ergebnisstrategischen
Gesichtspunkten so eindeutig ist wie die "Erektile Dysfunktion"
(ED) beim Mann - aus gegenwärtiger fachlicher Sicht
eine Illusion. die aber durch Umdefinition einiger Physiologika.
Schulenbildung der üppig finanzierten Forscher
und anhaltende Investition in die Werbung zur diskursiven
Gewissheit werden könnte. Zur Zeit wird allerdings noch
heftig gestritten und der Trick kritisiert. alles erotischsexuelle
Unwohlsein. das eine eher gesunde. auf jeden Fall
angemessene Reaktion auf partnerschaftliche. überhaupt
soziale Schwierigkeiten ist. in eine FSD umzumünzen.
sodass eine riesige Prävalenz und damit ein riesiger Bedarf
an Viagra für Frauen herauskommt (vgl. z. B. Basson 2005.
Basson et al. 2000, Hauch 2005. Matthiesen u. Hauch 2004.
Moynihan 2003. Tiefer 2000. West et al. 2004. Working
Group 2003. vgl. auch Kap. 9 und 10).
Diese Vorgänge erinnern daran. wie vor gar nicht so langer
Zeit "Premenstrual Syndrome" (PMS) resp. "Premenstrual
Dysphoric Disorder" viagra günstig als Krankheitsbilder
konstruiert worden sind (Chrisler u. Caplan 2002) - mit
einem Resultat. das nahtlos in jede patriarchale Gesellschaft
passt: Eine Frau viagra preis ist immer unvernünftig. krank
oder in komplett. ob sie nun menstruiert oder nicht mehr
menstruiert. Und damit die Männer auch dann. wenn sie
alt geworden sind und weniger Androgene produzieren.
komplett bleiben können. wurden PADAM ("Partielles
Androgen-Defizit des Alternden Mannes"). "Aging Male
Syndrome" und ADAM-Syndrom ("Androgen-Defizienz des
Alternden Mannes") erfunden (siehe ausführlich Kap. 15).
Konkreter gesagt: Die Pharmaindustrie verspricht sich in
den reichen Gesellschaften des Westens. in denen die Menschen
immer älter werden. hohe Umsätze. Da wird es unter
dem Strich nichts helfen. wenn inzwischen selbst namhafte
Urologen die "breite Vermarktung der neuen Testosteron-
Gele als .Lifestyle-Medizin viagra sparen gegen die Midlife-Crisis" als
"irreführend" bezeichnen (Weidner 2003: 29).
Wie sich unsere eigenen Vorstellungen verändert haben.
könnte ein Vergleich des vorliegenden Buches mit dem
Gemeinschaftswerk "Therapie sexueller Störungen" zeigen.
das ihm in zwei Auflagen vorausgegangen ist (Sigusch
1975; 1980). In den jahrzehnten zwischen 1975 und heute
wurden alle Gegenstände neu betrachtet und folglich im
vorliegenden Buch auch neu dargestellt. Sonja Düring spielt
im Kapitel 3 darauf an. wie andromorph unser Blick in den
siebziger jahren war.
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